Protokoll<
93. Sitzung des Beirates für Stadtteilentwicklung Wilhelmsburg
22. April 2026, Haus der Jugend Wilhelmsburg
Beginn 18.30 Uhr, Ende 20.40 Uhr
Tagesordnung
TOP 1: Begrüßung, Feststellung der Beschlussfähigkeit
TOP 2: Ergänzungen zur Tagesordnung, Protokoll vom 04.02.2026
TOP 3: Bericht des Vorstandes
TOP 4: Vorstellung Straßensozialarbeit Wilhelmsburg
TOP 5: Nutzungsreglementierung von E-Scootern
TOP 6: Erörterung Anpassung der Geschäftsordnung
TOP 7: Organigramm Verortung des Beirates im Stadtteil
TOP 8: Aktuelles aus den Quartieren
TOP 9: Rückmeldungen aus dem Bezirksamt
TOP 10: Rückmeldungen aus dem Regionalausschuss
TOP 11: Termine / Sonstiges
TOP 1: Begrüßung, Feststellung der Beschlussfähigkeit
Herr Kaya eröffnet die 93. Sitzung des Beirates für Stadtteilentwicklung Wilhelmsburg. Es sind Vertreterinnen und Vertreter aus neun Quartieren anwesend, damit ist der Beirat beschlussfähig. Ebenso nehmen drei Vertreter einer Partei (GRÜNE, CDU, DIE LINKE) an der Sitzung teil. Herr Kaya bedankt sich beim Haus der Jugend für das Bereitstellen der Räumlichkeiten. Anschließend führt Herr Kaya durch die Sitzung.
TOP 2: Ergänzungen zur Tagesordnung, Protokoll vom 04.02.2026
Zur vorliegenden Tagesordnung gibt es keine Ergänzungen. Auch das Protokoll der Sitzung vom Februar 2026 wird wie vorliegend verabschiedet.
TOP 3: Bericht des Vorstandes
Öffentlichkeitsarbeit: Zukünftig soll u.a. durch Info-Stände auf dem Berta-Kröger-Platz und dem Stübenplatz (aber auch bei Stadtteilfesten etc.) verstärkt über den Beirat informiert und neue Interessenten für eine Mitarbeit gewonnen werden. Eine Abstimmung der Termine erfolgt zeitnah durch die Geschäftsstelle. Herr Kaya weist darauf hin, dass eine Teilnahme möglichst vieler Beiratsmitglieder für eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit unabdingbar ist. Ein Mitglied weist darauf hin, dass auch die Sitzungen deutlicher beworben werden sollten (WIR, Der neue RUF, Instagram-Account des Beirates etc.).
Zusätzliche Standorte Mülleimer: Ziel ist es, die Sauberkeit im Stadtteil spürbar zu verbessern. Dazu regt der Vorstand an, in mehreren Gruppen die einzelnen Quartiere bzw. „Wilhelmsburg-Ost“ und „Wilhelmsburg-West“ zu begehen und zusätzliche Standorte für Mülleimer zu identifizieren. Die Standorte würden über die Geschäftsstelle an die Stadtreinigung Hamburg (SRH) kommuniziert werden. Frau Sauer, Herr Kaya, Herr Poulheim, Herr Reinders und Herr Schenk zeigen Interesse, sich zu beteiligen. In diesem Zusammenhang weist ein Gast auf Koordinationsrunden der Stadtreinigung Hamburg zum Thema Sauberkeit hin, an denen er regelmäßig teilnimmt.
Frau Sauer verweist auf eine Müllsammel-Aktion der Stadtteilpflege-Gruppe Wilhelmsburg am Freitag, 24. April 2026 in Kooperation mit der Stadtreinigung Hamburg. Treffpunkt ist an der Kreuzung Auf der Höhe / Buscher Weg / Parallelstraße um 15.00 Uhr. Alle Anwesenden sind herzlich eingeladen, sich an der Sammel-Aktion zu beteiligen.
Tagungsorte Beirat für Stadtteilentwicklung: Herr Kaya verweist auf das Vorhaben, möglichst an unterschiedlichen Orten / in unterschiedlichen Einrichtungen die Sitzungen des Stadtteilbeirates abzuhalten. In diesem Zusammenhang informiert Herr Kaya, dass es das Angebot der Haspa-Filiale in der Mannesallee gibt, dort eine der nächsten Sitzungen durchzuführen. Er gibt allerdings zu bedenken, dass das räumlich unter Umständen zu eng werden könnte. Herr Schöndienst informiert, dass die nächste Sitzung am 24. Juni 2026 in der Schule An der Burgweide stattfinden wird.
Gedankenaustausch zu Groß Sand: Die SPD-Bürgerschaftsfraktion lädt am Dienstag, 28. April 2026 um 19.00 Uhr ins Hamburger Rathaus zu einem Gedankenaustausch zu den aktuellen Entwicklungen rund um das Krankenhaus Groß Sand ein. Aus dem Beirat können drei Interessierte teilnehmen, eine Anmeldung ist erforderlich. Frau Sauer und Herr Kaya werden an der Veranstaltung teilnehmen.
TOP 4: Vorstellung Straßensozialarbeit Wilhelmsburg
Herr Hug (Straßen-Sozialarbeit Wilhelmsburg) stellt sich, die Tätigkeit und die Herangehensweise der Straßen-Sozialarbeit vor.
- Herr Sebastian Hug ist Mitarbeiter im Bezirksamt Hamburg-Mitte, Fachamt Sozialraummanagement. Als Straßensozialarbeiter ist Herr Hug seit 2024 auf der Elbinsel tätig. Formal ist Herr Hug an das Haus der Jugend angebunden, fachlich jedoch nicht. Zielgruppe sind 12- bis 27-Jährige besonders schwer erreichbare Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Im Rahmen seiner Tätigkeit tritt Herr Hug immer mit seinem echten Namen auf.
- Er ist Mitglied in der Landes- und Bundesarbeitsgemeinschaft Straßensozialarbeit (LAG und BAG). Vernetzt ist Herr Hug u.a. mit der mobilen Jugendarbeit, der Wohnungslosenhilfe sowie Einrichtungen der Drogenhilfe. Im Gegensatz zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) wie beispielsweise im Haus der Jugend, sucht Straßensozialarbeit Kinder und Jugendliche direkt an ihren (informellen) Treffpunkten auf und bietet sich als Ansprechpartner an. Herr Hug ist der einzige Straßensozialarbeiter in Wilhelmsburg.
- In seiner Tätigkeit als Straßensozialarbeiter ist Herr Hug meistens zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs und spricht Jugendliche aktiv „in deren Räumen“ an. Er ist sehr präsent im Stadtteil und wird mittlerweile auch von einzelnen Jugendlichen als möglicher Ansprechpartner wahrgenommen. Die Arbeit ist eine Mischung aus dem Anbieten von Aktivitäten und Beziehungsarbeit. Es handelt sich um ein niedrigschwelliges Angebot im Sozialraum. Straßensozialarbeit führt keine Akten über die Jugendlichen, hat keine Meldepflicht und keinen Wächterauftrag.
- Herr Hug sieht sich primär in einer beratenden Funktion und brückenbauend (wenn erwünscht erfolgt eine Vermittlung an passende Fachkräfte).
- Abschließend erläutert Herr Hug das Schutzkonzept in der täglichen Arbeit. Ein Schutzkonzept legt fest, wie ein Angebot Kinder und Jugendliche vor Grenzverletzungen schützt – und wie im Ernstfall gehandelt wird. Es ist kein Regelwerk, sondern eine Haltung. Das Schutzkonzept beinhaltet die Risikoanalyse (Wo entstehen gefährdende Situationen in der aufsuchenden Arbeit?), einen Verhaltenskodex (Klare Regeln für professionelle Nähe) sowie eine Intervention (Was passiert, wenn etwas nicht stimmt? Klare Meldewege, klare Ansprechpersonen).
Zu den Informationen von Herrn Hug gibt es folgenden Anmerkungen/ Nachfragen:
- Herr Schenk fragt nach, ob seine Alleinstellung im Stadtteil darauf zurückzuführen sei, dass es zu wenig Stellen für Straßen-Sozialarbeit gäbe oder ob es zu wenig Sozialarbeiter gäbe, um die Stellen zu besetzen. Herr Hug erklärt dazu, das sei eine politische Frage, seine Stelle war in der Vergangenheit noch eine halbe Stelle und wurde dann auf eine volle Stelle erhöht. Aus Sicht von Herrn Hug gibt es zu wenig Stellen für einen so großen Stadtteil wie Wilhelmsburg mit annähernd 60.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Herr Rietz verweist hinsichtlich des Stellenschlüssels für Straßensozialarbeiter darauf, dass Diskussionen über eine Ausweitung der Straßensozialarbeit und von Räumlichkeiten für Jugendliche ohne anwesende Sozialarbeiterinnen bzw. Sozialarbeiter, „richtige“ nicht kontrollierte Rückzugsorte, aktuell auf strategischer Ebene geführt würden. Auch in dem Kontext, dass Orte wie beispielsweise ein Haus der Jugend nicht mehr automatisch alle Jugendliche erreichen würde. Des Weiteren erklärt Herr Rietz, dass der Austausch zwischen den Straßensozialarbeiterinnen und -sozialarbeitern des Bezirks Hamburg-Mitte zukünftig noch intensiviert werden soll. Des Weiteren merkt Herr Rietz an, dass es zwar grundsätzlich möglich sei, die Stelle – beispielsweise eines/-r Erzieher:in – zu streichen um dafür eine weitere Stelle für eine/-n Straßensozialarbeiter:in auf bezirklicher Ebene zu schaffen, sich dadurch aber aufgrund der insgesamt gleichbleibenden finanziellen Mittel für Personal am Gesamt-Personalschlüssel nichts verändern würde. Grundsätzlich ist es Aufgabe des Jugendhilfeausschusses, sich mit diesen Themen zu beschäftigen und ggfs. eine Umsteuerung über entsprechende Beschlüsse vorzunehmen.
- Auf die Frage, ob es eine höhere Gewaltbereitschaft innerhalb der Jugendlichen in Wilhelmsburg im Vergleich zu früher gäbe und ob dahingehend ggf. Präventionskurse ein möglicher Lösungsansatz seien, erläutert Herr Hug, dass die Gewaltbereitschaft seinen Beobachtungen nach unter den Jugendlichen etwas zugenommen habe, er diesem Umstand aber auch nicht zu viel Bedeutung zumessen möchte. Er ist aber der Auffassung, dass die Gewalt die stattfindet, weiter geht als früher. Aus Sicht von Herrn Hug braucht nicht mehr Gewaltprävention, sondern mehr Beziehungsarbeit und weniger Vorurteile gegenüber bestimmten Jugendlichen.
- Herr Hug erklärt auf Nachfrage von Herrn Schenk, dass Straßensozialarbeit mittlerweile auch über soziale Medien geleistet werden kann und wird. Des Weiteren erläutert Herr Hug, dass er zunehmend auch mit Moscheegemeinden im Austausch steht, um leichter mit muslimischen Jugendlichen in Kontakt zu kommen.
- Herr Hug erläutert auf die Frage nach der Einbeziehung der Eltern, dass dies nicht seine Aufgabe als Vertrauensperson sei. Auch möchte er den Jugendlichen keine Anweisungen geben oder Vorschriften machen. Er gebe stattdessen Ratschläge und arbeite eher als „Therapeut“ der vollkommen von Institutionen abgekoppelt ist, damit sein Angebot so niedrigschwellig wie möglich ist.
- Ein Mitglied erkundigt sich nach den „idealen“ Räumlichkeiten für Straßensozialarbeit. Dazu erklärt Herr Hug, dass aus seiner Perspektive reglementierte Räume im Allgemeinen schlecht seien. Es bräuchte stattdessen entkategorisierte Räume, für die die Jugendlichen aber auch selbst Verantwortung tragen sollten.
- Auf die Nachfrage, ob er ein Gefühl dafür habe, wie seine Arbeit wirkt, erläutert Herr Hug, dass er dies schwer einschätzen könne. Gleichzeitig berichtet Herr Hug, dass er mittlerweile häufiger von Jugendlichen auf seine Tätigkeit angesprochen werde. Bis dieser Fall eintritt, und entsprechendes Vertrauen auf Seiten der Jugendlichen entstanden sei, dauert es normalerweise zwei bis drei Jahre.
- Es wird angeregt, eine Empfehlung mit dem Ziel zu verabschieden, die Straßensozialarbeit personell besser auszustatten. Herr Kaya unterstützt die Idee einer Empfehlungsvorlage und schlägt vor, eine solche zur nächsten Sitzung vorzubereiten.
- Herr Hug berichtet von zwei in Vorbereitung / Planung befindlichen Projekten:Port of Veddel als schwimmendes Jugendzentrum auf Pontonbasis im Müggenburger Zollhafen. Zu dem Vorhaben sind Anfragen an die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, die IBA Hamburg GmbH sowie sie Lawaetz Stiftung in Vorbereitung.Street FoodWorks in Form einer mobilen Küche im Bully für aufsuchende Arbeit mit Jugendlichen im Alter von 14 bis 27 Jahren. Ein Förderantrag an die ERGO Foundation ist dazu derzeit in Vorbereitung.
TOP 5: Nutzungsreglementierung von E-Scootern
Mit der Einladung zur Sitzung wurde eine Empfehlungsvorlage mit dem Ziel einer stärkeren Reglementierung der Nutzung von E-Scootern verschickt. Die Anwesenden erörtern die Situation. Herr Reinders verweist auf die kürzlich eingeführten digitalen Abstellflächen an Haltestellen. Dadurch lassen sich an ca. 100 U-, S- und Bushaltestellen E-Scooter nur noch auf bestimmten Flächen abstellen, sonst lässt sich der Bezahlvorgang nicht beenden. Herr Holler berichtet zusätzlich davon, dass es bereits auch bisher an vielen Stellen nicht möglich war, E-Scooter abzustellen.
Eine Übersicht, an welchen Stellen im Stadtgebiet das Abstellen von E-Scootern nicht zulässig ist, findet sich beispielsweise digital im Geoportal der FHH unter https://geoportal-hamburg.de/?mdid=723941D2-768B-4ABB-B657-8C0004AE80DD. Es wird vereinbart, die Auswirkungen der zusätzlich eingeführten digitalen Verbotsflächen abzuwarten. Eine Empfehlung mit dem Ziel einer stärkeren Einschränkung der Nutzung von E-Scootern könnte ggf. in einer der kommenden Sitzungen erfolgen.
TOP 6: Erörterung Anpassung der Geschäftsordnung
Herr Kaya führt in die Thematik ein. Seit längerer Zeit ist es das Ziel, die Geschäftsordnung zu aktualisieren und an einigen Stellen zu konkretisieren. Mit der Einladung zur Sitzung wurde ein von Herrn Holler und Herrn Kaya erstellte Vorschlag zur Anpassung der Geschäftsordnung an die Beiratsmitglieder und weitere Interessierte verschickt.
Die Anwesenden finden sich im Rahmen der Sitzung in Kleingruppen zusammen und erörtern die vorliegenden Anpassungsvorschläge. Anschließend werden die Änderungsvorschläge kurz vorgestellt und diskutiert. Es wird vereinbart, dass die Vorschläge im Nachgang der Sitzung in die Geschäftsordnung eingearbeitet und für die kommende Sitzung des Beirates erneut ein aktualisierter Änderungsvorschlag als weitere Diskussionsgrundlage verschickt wird.
TOP 7: Organigramm Verortung des Beirates im Stadtteil
Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit wird der Tagesordnungspunkt Organigramm Verortung des Beirates im Stadtteil auf eine der kommenden Sitzungen vertagt.
TOP 8: Aktuelles aus den Quartieren
Bauliche Entwicklungen Hornatsdeicher Weg: Am Hornatsdeicher Weg finden aktuell bauvorbereitende Maßnahmen statt. Der Hornatsdeicher Weg lieg im Bereich des zukünftigen Elbinselquartiers.
Zustand Fußwege Fährstraße: Herr Schenk weist auf den schlechten Zustand der Fußwege in der Fährstraße hin. Dies sei aus seiner Sicht auch nicht durch „normale Abnutzungsfolgen“ erklärbar, vielmehr scheine der Untergrund teilweise regelrecht „weg zu sacken“. Es wird vereinbart, für die nächste Sitzung des Stadtteilbeirates eine Empfehlungsvorlage zu erstellen.
Stadtteilfest Georgswerder: Herr Poulheim weist auf das diesjährige Stadtteilfest am 27. Juni 2026 in Georgswerder auf dem zentralen Quartiersplatz Ecke Rahmwerder Straße / Niedergeorgswerder Deich hin. Das Stadtteilfest sei auch eine gute Gelegenheit für den Beirat sich mit einem eigenen Stand zu präsentieren.
TOP 9: Rückmeldungen aus dem Bezirksamt
Es liegen keine aktuellen Rückmeldungen aus dem Bezirksamt vor.
TOP 10: Rückmeldungen aus dem Regionalausschuss
Es liegen keine aktuellen Rückmeldungen aus dem Regionalausschuss vor.
TOP 11: Termine / Sonstiges
Themen Beirat für Stadtteilentwicklung: Frau Sauer regt an, in einer der kommenden Sitzungen das Thema Verkehr in Wilhelmsburg vertiefend zu behandeln.
Pflanzenfest Interkultureller Garten: Der Interkulturelle Garten Wilhelmsburg (Dursun-Akcam-Ufer, Hinter Haus Veringstraße 147) veranstaltet am Sonntag, 26. April 2026 ab 14.00 Uhr wieder einen Pflanzenmarkt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen.
Sitzungen Beirat für Stadtteilentwicklung: Die nächste Sitzung des Beirates findet statt am Mittwoch, 24. Juni 2026 um 18.30 Uhr in der Schule An der Burgweide, Karl-Arnold-Ring 13, 21109 Hamburg.
Protokoll: plankontor, in Abstimmung mit dem Vorstand des Beirates für Stadtteilentwicklung Wilhelmsburg und dem Regionalbeauftragten im Bezirksamt Hamburg-Mitte.
plankontor Stadt & Gesellschaft GmbH
Luna Gisbert / Michael Schöndienst